Baukindergeld – mit staatlicher Förderung zum Eigenheim

Der Immobilienmarkt boomt und die Preise steigen – immer noch. Um Familien trotz der hohen Kaufpreise eine Immobilienfinanzierung zu ermöglichen, setzt die Große Koalition auf die Einführung des Baukindergelds. Doch es gibt auch Kritiker.

Um knapp sechs Prozent sind die Immobilienpreise im vergangenen Jahr wieder gestiegen. In Großstädten und Ballungszentren sogar noch stärker. Nach aktuellen Zahlen des Verbands deutscher Pfandbriefbanken (vdp) steigen die Preise in gefragten Städten wie Berlin, Düsseldorf, Frankfurt, Hamburg, Köln München und Stuttgart sogar fast doppelt so schnell wie in anderen Regionen. So zahlte man dort 2017 fürs Eigenheim durchschnittlich 70 Prozent mehr als noch 2010. Um Familien dennoch die Finanzierung eines Eigenheims zu ermöglichen, setzt die Große Koalition unter anderem auf das Baukindergeld. Doch Experten fürchten, dass diese Pläne den Boom lediglich weiter befeuern.

Für wen ist das Baukindergeld?

Das Baukindergeld ist generell dazu gedacht, Familien mit mittlerem Einkommen bei der Eigenheimfinanzierung zu unterstützen. Im Koalitionsvertrag heißt es: „Wir unterstützen Familien beim Erwerb von Wohneigentum: Baukindergeld in Höhe von 1.200 € je Kind pro Jahr.“ Ausgezahlt wird die Förderung über 10 Jahre hinweg und kann sowohl für den Kauf einer Bestandsimmobilie als auch für den Neubau genutzt werden. Voraussetzung: Das zu versteuernde Gesamteinkommen der Antragsteller darf nicht mehr als 75.000,- Euro betragen, zzgl. des Kinderfreibetrages in Höhe von 15.000,- Euro pro Kind.

Wo liegen die Risiken des Baukindergelds?

Die geplante Familienförderung vom Staat klingt auf den ersten Blick sehr positiv. Immerhin könnte eine vierköpfige Familie bis zu 24.000,- Euro Förderung einstreichen. Dennoch mahnen Experten von Haus und Grund und Mieterbund zur Vorsicht. Einerseits könnte die Förderung die Nachfrage und somit die Preise zusätzlich nach oben schrauben. Andererseits könnten Familien dazu verführt werden, hohe Immobilienkredite aufzunehmen, die sie nach Ablauf der Förderdauer nicht mehr bedienen können.

Die Kritikpunkte zum Baukindergeld im Überblick

  • Wird das Baukindergeld von vielen Familien in Anspruch genommen, führt dies zu einer steigenden Nachfrage nach Baugrundstücken und Bestandsimmobilien. Eine höhere Nachfrage wiederum führt zu weiterhin steigenden Preisen. Gut für Immobilienverkäufer, schlecht für die Käufer.
  • Nach Ende der 10-jährigen Förderdauer könnten einige Familien Schwierigkeiten bekommen, ihre Baufinanzierungskredite weiterhin zu bedienen. Zusätzlich zum Wegfall der monatlichen Förderzahlung können auch Zinsbindungen auslaufen und ggf. höhere Zinsen anfallen. So wäre eine Verschuldung vorprogrammiert.
  • Im Bundeshaushalt sind für diese staatliche Förderung zunächst knapp 2 Milliarden Euro innerhalb der ersten vier Jahre vorgesehen. Dieser Betrag soll aus Steuermitteln finanziert werden, so dass es zu einer Umverteilung der Steuergelder kommt. So würden diese Gelder an anderen Stellen, wie beispielsweise der Bildung, fehlen.
  • Generell werde durch die Förderung das Grundproblem nicht gelöst. „Wir brauchen keine Subventionierung, damit irgendjemand Eigentumswohnungen kauft“, sagte Ropertz vom Mieterbund. „Wir haben ein quantitatives Problem: Uns fehlen Wohnungen, insbesondere preiswerte.“ Es fehle einfach an Baugrund und verfügbaren Immobilien sowie der Möglichkeit, infolge explodierender Mieten ausreichend Eigenkapital für einen Immobilienkauf anzusparen. Da helfe auch die Förderung nicht.

Dennoch – sollte das Baukindergeld kommen, stellt es für einige Familien sicher einen netten Anreiz dar und könnte beispielsweise für die Tilgung eines separaten Kredits genutzt werden, der mit Ablauf der Förderdauer ebenfalls ausläuft. Und für Immobilienverkäufer gilt weiterhin, dass sie momentan Top-Preise für Ihr Eigentum erzielen können.

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